Feststellen, Verkeilen, Offenhaltung von Brandschutzüren

Brandschutztüren sind verkeilt oder verstellt? Sie kennen das Problem? Was sind Brandschutztüren und woran erkenne ich sie? Gibt es legale Möglichkeiten der Offenhaltung?

All diese in der Praxis relevanten Fragen versuche ich hier in diesem Blog näher zu erläuten.

Was sind Brandschutztüren / Rauchschutztüren?

Brandschutztüren sind brandschutztechnisch klassifizierte Türen, sie haben die Aufgabe, Durchdringungen in feuerhemmenden oder feuerbeständigen Wänden zu ermöglichen, die die Nutzung des Gebäudes erfordert. Diese Türen dienen als Feuerschutzabschlüsse. Weiterhin gibt es Rauchschutztüren, deren hauptsächliche Aufgabe besteht darin, wie der Name schon sagt, die Durchdringung von Rauch zu vermeiden.

Brandschutztechnisch klassifizierte Türen, auch Feuerschutzabschlüsse genannt, unterliegen rechtlichen Regeleungen und Anforderungen, diese werden in Deutschland durch die DIN 4102-5 geregelt.

Es wird hauptsächlich zwischen folgenden Brandschutztüren unterschieden:

  • T90-Tür (feuerbeständig)
  • T60-Tür (hochfeuerhemmend)
  • T30-Tür (feuerhemmend)
  • RS-Tür (rauchdicht)

Welche Tür wo einzusetzen ist ergibt sich aus dem Baurecht, der Baugenehmigung und, sofern vorhanden, aus dem (genehmigten) Brandschutzkonzept. Letztlich definiert die Wand, in die die Tür eingesetzt wird, die Mindestanforderung der Tür. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Tür in ein höherwertiges das Umfassungsbauteil (Wand) einzubauen ist. Die Zulassungsbescheinigungen der jeweiligen Türhersteller geben hier nähere Auskunft.

Das Merkmal “RS” kann eigenständig, aber auch in Kombination mit dem Merkmal “T-xx” verwendet werden. Somit können Feuerschutzabschlüsse rauchdicht sein, müssen aber nicht, wohingegen reine RS-Türen (rauchdicht) keinen Feuerabschluss darstellen.

Brandschutztechnisch klassifizierte Türen müssen stets selbstschließend sein.

Woran erkenne ich Brandschutztüren?

An dem Material, aus dem eine Tür hergestellt wurde, ist kein Merkmal zur Definition, ob es sich um eine Brandschutztür handelt, oder nicht.

Brandschutztüren sind nur an dem herstellerseitig aufgebrachten Schild erkennbar (siehe Beispiel einer T30-RS-Tür). Das Schild finden Sie in der Regel auf der Rahmeninnenseite, dieses finden Sie, wenn Sie die Tür ganz öffnen und dann an der Schanierseits auf das Türblatt gucken.

Auf der linken Seite ist ein großes “Ü” eingeprägt, weiterhin ist die Zulassungsnummer der DiBt, der Hersteller und das Herstellungsdatum erkennbar. Auf den Schilder ist in der Darstellung der Klassifizierung (T30, RS, etc.) weiterhin eine “-1” oder “-2” zu finden, dieses definiert, ob sich die Zulassung auf eine ein- oder zweiflügelige Tür bezieht. Einige Hersteller verwenden die Bezeichnung “-1/2”, dieses bedeutet, dass die Zulassung für die ein- und zweiflügelige Ausführung der Tür bezieht.

In der Regel sind diese geprägt, so dass die Zulassung auch bei Überstreichen der Tür weiter erkennbar ist.

Brandschutztüren bestehen immer aus einer Einheit: Türzarge, Türblatt und erforderliche Beschläge (!). Somit ist auch ein Austausch der Gernituren und Schlösser (nicht Profilzylinder) nicht ohne weiteres möglich.

Möglichkeiten der Offenhaltung von Brandschutztüren

Feuerschutzabschlüsse müssen immer selbstschließend sein. Sie mit Keilen oder ähnlichem offen zu halten, ist in Deutschland strafbar (§ 145 StGB).

In der Praxis werden diese gerne verkeilt oder verstellt, da die Organisation dieses verlangt oder diese nur “kurz” erfolgt, bis z.B. der Lieferant fertig ist. Oder es liegen Kabel durch die Tür: “der Handwerker braucht doch Strom”.

Diese Art ist wie bereits genannt strafbar. Was jedoch tue ich in solchen Fällen?

Letzlich gibt es nur zwei Möglichkeiten:

  • Offenhaltung mittels zugelassenen Feststellanlagen (FSA), dieses sind baurechtlich zugelassene z.B. Magnethalter mit Rauchmelder zur automatischen Schließung (FSA nachträglich installieren)
  • manuelle Offenhaltung durch eine Person

Eine Verlegung von z.B. Verlängerungskabel ist, auch kurzfristig, nicht zulässig.

Was kann ich an Brandschutztüren nachträglich ändern.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass nächträglich an Brandschutztüren keine Änderungen vorgenommen werden, ohne die Zulassung zu gefährden.

Sollten Änderungen notwenig sein, können Sie den Hersteller kontaktieren oder in der Zulassung schauen, ob und wenn welche nachträglichen Änderungen nutzerseiti oder herstellerseitig vorgenommen werden könenn.

Auch hat das DiBt eine entsprechende Veröffentlichung (“zulässige Änderungen und Ergänzungenan Feuerschutzabschlüssen und Feuerschutzabschlüssen mit Rauchschutzeigenschaft im modifizierten Zulassungsverfahren (Stand: 01.12.2009)”) auf Ihrer homepage. Diese finden Sie hier.

Brandschutztür als Notausgang

Oftmals müssen Brandschutztüren auch die Funktion als Notausgang erfüllen. Hier sind dann Schlösser nach EN 179 (“gebogene Drückergarnitur”) oder EN 1125 (“push-bar”) einzusetzen. Diese sind an dem aufgedruckten großen “Ü” auf dem Schließblech (Tür öffnen und auf das Schloss gucken) erkennbar.

Da die Schlosseinheit mit den entsprechenden Drücken geprüft und zugelassen werden, ist hier bei Austausch der Drücker (“Klinken”) darauf zu achten, das nur solche verwendet werden, die in der Zulassung enthalten sind. Hinweis: Standard-Klinken haben eine 8mm-Vierkant als Mitnahme, Drückergarnituren nach EN 179 haben in der Regelk einen 9mm starken Mitnehmer. Wenn die Klinken “hängen”, sind zumeist falsche eingesetzt. Bitte beachten Sie, dass die Tür dann keine Zulassung als Notausgang hat und Sie somit (formal gesehen) einen Notausgang widerrechtlich versperren.

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